antifa , antifaschistische aktion , antifaschistische aktionen

Wednesday, April 08, 2009

„Bemühen um Seriosität“: Rechtsextremistische Vereine als NPD-Vorhut?

Mit einer Kleinen Anfrage (Drs. 5/2315) wandte sich die Abgeordnete der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Barbara Borchardt, an die Landesregierung, um sich nach rechtsextremistischen Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern zu erkundigen. Das Innenministerium benannte zwei: Die „Initiative für Volksaufklärung e.V.“ und den „Heimatbund Pommern“. Sie sollen enge Kontakte zur NPD unterhalten.

Inwieweit die beiden Vereine als gemeinnützig anerkannt sind, wodurch sie steuerrechtliche Vorteile genießen würden, konnte das Innenministerium mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht sagen. Dafür informierte die Behörde die Abgeordnete darüber, dass „rechtsextremistische Vereine in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich zur ,Nationaldemokratischen Partei Deutschlands‘ (NPD)“ Verbindungen unterhalten.

Darüber hinaus würden die Vereine auch „Beziehungen zur ,Kameradschaftsszene‘“ pflegen. Hier soll es sich in erster Linie um das „Soziale und Nationale Bündnis Pommern“ handeln, deren bekanntester Aktivist der NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller sein dürfte. Hinzu kämen aber noch mehrere weitere aktive Kameradschaften, die „die Definition eines Vereins im Sinne des Vereinsgesetzes erfüllen könnten“. Das Innenministerium benennt hier die „Mecklenburgische Aktionsfront“, die „Kameradschaft Malchin“ sowie den „Kulturkreis Pommern“. ...lesen

Wednesday, November 14, 2007

Bargischow: Kapitulation (1): Jugendklub an Neonazis übergeben

In Mecklenburg-Vorpommern soll eine "Antifa-Klausel" in die Landesverfassung aufgenommen werden. Währenddessen werden im äußersten Osten des Landes Nägel mit Köpfen gemacht: in Bargischow (Landkreis Ostvorpommern) hat die Gemeinde ihren Jugendklub an eine Neonazi-Organisation abgegeben.

Der Bürgermeister von Bargischow, der parteilose Karl-Heinz Thurow, hatte sich bisher offiziell dafür eingesetzt, dem rechtsextremen Treiben in seinem Dorf ein Ende zu setzen, berichtete heute die Ostsee-Zeitung. In Bargischow dominieren die Rechtsextremen schon seit Jahren; bei der Bundestagswahl 2005 bekam die NPD dort 17,2 Prozent, ein Jahr später bei der Landtagswahl im September 2006 wurde die NPD in dem 400-Seelen-Ort mit 31,6 Prozent stärkste Partei.

Im örtlichen Jugendklub proben seit Jahren Neonazi-Bands, denn die Schlüsselgewalt über den Klub hat der "Heimatbund Pommern", laut Verfassungsschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern eine Vorfeldorganisation der Neonazikameradschaften. Der stellvertretende NPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Tino Müller, gehört dem "Heimatbund" an, ein weiterer führender Kopf der Gruppe, Michael Gielnick, verfehlte auf Platz sieben der NPD-Landesliste nur knapp den Einzug in den Landtag.

Für Bürgermeister Thurow hatte sich bisher die Situation harmlos dargestellt: Die "rechten Jungs" hätten bisher keinen Ärger gemacht, und die NPD sei nicht verboten, sondern "eine Partei wie jede andere". ...lesen

Bereits erschienen:

Neonazis sollen Jugendclub nicht nutzen dürfen [13.11.07]
Ringguth zu den Vorwürfe gegen die Gemeinde Bargischow
Bürgermeister übergibt Jugendclub an Neonazis

Sunday, June 14, 2009

Braune Kulturwelt

Ein Netzwerk aus rechtsextremen Organisationen und völkisch-bündischen Jugendgruppen trifft sich seit Jahrzehnten zu germanischer Brauchtumspflege und Volkstänzen.

Gleich nach Feierabend oder Schulschluss, am Wochenende und in den Ferien, gestalten Tausende von Rechtsextremisten ihre eigene, oft nationalsozialistisch geprägte Kulturwelt. Abgeschottet von Öffentlichkeit, fernab von provokanten Aufmärschen oder Parteiveranstaltungen finden sie sich ungestört zur Pflege germanischem Brauchtums, Volkstanz oder Singewettstreiten zusammen. Zusammenhalt geben den diversen Gruppen und Organisationen eine gemeinsame nationalistische Ideologie sowie ehrgeiziges Streben nach deutschem Elitegeist. Dabei werden harmlose alte Traditionen wie das Hissen eines Maibaumes oder das Schöpfen von Osterwasser aufgegriffen und für ihre Zwecke vereinnahmt.

Es gibt aber auch Kulturveranstaltungen anderer Art, die im Verborgenen laufen. Anfang Juni luden sächsische Neonazis in den Chemnitzer Europark. Unauffällig, in der Gaststätte „Yesterday“, sollte der „nationale Schriftsteller“ Eric Kaden aus Dresden einen Vortrag über Kurt Eggers – einem in völkischen Kreisen kultartig verehrten SS-Dichter – halten.
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Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein straff organisiertes Netzwerk aus jahrzehntelang gewachsenen rechtsextremen Kulturorganisationen, völkisch-bündischen Jugendgruppen und Freundeskreisen, die mit kultureller Vielfalt und demokratischer Zivilgesellschaft nicht viel am Hut haben. Ausschließlich, wer aus der eigenen ethnischen Gruppe stammt, wird eingeladen, darf teilnehmen. Ausnahmen sind alljährliche europäische Treffen wie zum Beispiel die „Gästewoche des Deutschen Kulturwerkes“, an der Kaden im September 2006 in Graz teilnahm. Sein Chemnitzer Vortrag wurde unter anderem von der Gruppe „Sonnenritter“ um NPD-Aktivist Tony Gerber aus Zwickau intern beworben. Gerber sieht sich und seine Sonnenritter als „Organisation zum Schutz und Erhalt des Volkes und Kulturgutes“.
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Teilnahme an Sängerfesten und Singewettstreiten

Der erfolgreiche Karate-Kampfsportlehrer Eric Kaden ist vielseitig kulturell aktiv. So war er beteiligt an Gruppen wie dem einflussreichen „Freundeskreis Ulrich von Hutten“, in dem sich zahlreiche Alt- und Neonazis gemeinsam mit zurückhaltenden Hintergrundakteuren tummeln. Im Schulungslager der militanten „Wiking-Jugend“ gewannen seine Kameraden aus dem „Gau Sachsen“ einst den „Bundessingewettstreit“ mit dem Pflichtlied „Und der da vorn die Trommel schlägt“ den ersten Platz.

Insbesondere in rechten Jugendbünden wie dem „Freibund – Bund Heimattreuer Jugend“, dem „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ oder in nationalistischen Burschenschaften wird heute einschlägiges Liedgut gepflegt. Deren Mitglieder versuchen immer wieder, sich an überbündischen oder Pfadfinder-nahen Singewettstreiten und Sängerfesten zu beteiligen, oft werden sie inzwischen ausgeschlossen oder bekommen im Vorfeld Hausverbot.
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„Liedersammlung“ der verbotenen HDJ

Fester Bestandteil der Brauchtumspflege ist auch der Volkstanz. So beteiligten sich nicht nur HDJ-ler wie die ehemalige Bundesmädelführerin“ Holle Böhm an einer Vorführung beim „Pressefest“ der NPD in Dresden, sondern Anhänger der HDJ-Einheit „Hermannsland“ oder des „Heimatbund Pommern“ versuchten auch, an außerpolitischen Tanzveranstaltungen teilzunehmen. Personen wie beispielsweise der heidnische Trauerredner Gerd Rothe richten andererseits Feiern aus, um außerhalb der Szene Tanzbegeisterte anzulocken. Rothes „9. Ostwestfälischer Volkstanzball“ sollte Mitte März in Bad Oeynhausen-Rehme starten. Rothe, der Anhänger der rassistischen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ war, schart seit Jahren Volkstänzer um sich. 2008 berichteten Angehörige des völkischen „Freibundes“ über ihre Teilname am Ball in der bundeseigenen Zeitschrift.

Ende April lud der „Tanz- und Spielkreis Mitteldeutschland“ um Kai Pfürstinger zum internen Fest ins Erzgebirge ein. Pfürstinger, Landesvorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) und Ausrichter des jährlichen Neonazi-Aufmarsches zur Bombardierung Dresdens, beteiligt sich immer wieder an bündischen Treffen. So zum Beispiel im Jahr 2008 beim so genannten „überbündischen Burgfest“, das seit 1995 jährlich auf wechselnden Burgen stattfindet. Bis 2006 auch unter Beteiligung der HDJ. Seine Anhängerschar findet Pfürstinger unter anderem in den Reihen von ehemaliger HDJ, der thüringischen „Schlesischen Jugend“ oder dem heidnisch-religiösen „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff e.V.“. Der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten.

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„Mitteldeutscher Volkstanzkreis“ sucht neue Mitstreiter

Insbesondere heidnische Feste wie das Julfest im Dezember, die Sonnenwenden im Sommer und Winter oder die Ostara-Feiern gehören zum Pflichtrepertoire der Szene. Anfang April dieses Jahres lud zum Beispiel ein Kreis von Aktivisten, die sich selbst als „Wandergruppe Knotenstock“ bezeichnen, in den Raum Chemnitz „auf einen bekannten 4-Seitenhof“ in Cossen ein.
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Interessierte an „deutschen Volkstänzen“ sollten sich telefonisch melden. Die angegebene Handynummer hatte in den vergangenen Jahren der ehemals militante Neonazi Steffen Hupka genutzt. Hupka, der in Trebnitz bei Halle ein Schulungszentrum errichten wollte, bot nebenher seine antiquarischen Bücher unter anderem bei einer Ostertagung der rassistischen Ludendorff-Gemeinschaft 2006 in Dorfmark an. Neonazis sind umtriebige Menschen – vor allem im Hintergrund. ...lesen