antifa , antifaschistische aktion , antifaschistische aktionen

Tuesday, May 29, 2007

Braune Kinderfänger

Die rechtsextreme „Heimattreue Deutsche Jugend“ veranstaltet völkische Freizeitlager für Kinder und Jugendliche und übt mit ihnen militärischen Drill. In der Organisation sind auch zahlreiche NPD-Funktionäre aktiv.


Pfingsten steht vor der Tür. Freie Schulzeit, die Aktivisten der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) nutzen wollen, um vom 25. bis zum 28. Mai Kindern und Jugendlichen in einem bundesweiten Pfingst-Zeltlager „ein Leben mit Tradititon und Werten“ für ein „unabhängiges Deutschland“ anhand von „körperlicher und geistiger Lebensführung“ beizubringen.

Viele Hunderte von Schulkindern und jungen Erwachsenen schlüpfen seit Jahren Wochenende für Wochenende in ihre dunkelblaue HDJ-Kluft, tauschen Kinderzimmer mit weißen Jurten und tauchen in eine konspirative völkisch-nationalistische Parallelwelt ab. Allein in diesem Jahr plant die rechtsextreme Jugendorganisation bundesweit über 25 Zeltlager, Seminare, Märsche und einschlägige Feiern. Die Ziele der HDJ formulierte der erste Bundesführer Alexander Scholz so: „Wir verpflichten uns Deutschland, indem wir geistige und körperliche Wehrhaftigkeit ausbilden“. Dafür erziehen HDJ-Funktionäre wie der jetzige Bundesführer Sebastian Räbiger aus Reichenwalde Jugendliche mit Themen wie Menschenführung, Rhetorik oder Lagersicherheit. Streng getrennt nach Geschlechtern werden die jungen Leute in völkischer Kleidung geschult und trainiert. Frühsport, 150-Kilometer-Märsche mit Gepäck und eine so genannte „Mutprobe“ gehören zum Programm der einschlägigen Lager.

Die Heimattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V. existiert unter diesem Namen als eingetragener Verein beim Amtsgericht in Kiel seit sieben Jahren. Ihre Wurzeln sieht sie offiziell im Bund Heimattreuer Jugend beziehungsweise in der weit weniger bekannten Organisation Die Heimattreue Jugend. Aus taktischen Gründen versucht die HDJ insbesondere, bestehende Kontinuitäten zur 1994 verbotenen Wiking-Jugend zu verschweigen, denn im Erlass des Bundesinnenministeriums hieß es damals ausdrücklich: „Es ist verboten, Ersatzorganisationen für die Wiking-Jugend zu bilden.“

„Ersatzorganisation für die Wiking-Jugend“

Doch genau darum scheint es sich bei der Heimattreuen Deutschen Jugend zu handeln: um einen Ersatz der Wiking-Jugend (WJ). Experte Günther Frankenberg von der Goethe-Universität in Frankfurt bestätigte gegenüber dem ARD-Magazin „panorama“, die HDJ sei aus seiner Sicht „eine Ersatzorganisation für die Wiking-Jugend“. Dem anerkannten Juristen ist unverständlich, warum das Bundesinnenministerium „in diesem Fall nicht handelt“. Die Aussteigerin Tanja P. schickte zwei ihrer Kinder in HDJ-Lager und urteilt heute im Fernseh-Interview: „Die Kinder werden dort vorbereitet auf den zu erwartenden Straßenkampf, auf Demonstrationen. Und in diesem Sinne, im Sinne des Dritten Reiches, werden sie mit dieser Ideologie herangezogen.“

Tatsächlich beobachten nur drei der insgesamt 16 Landesämter für Verfassungsschutz die Aktivitäten der rechten Kinderfänger. Im Fall des aktuell vorgestellten Verfassungs- schutzbericht Mecklenburg-Vorpommern kann aber kaum von einer ernsthaften Warnung gesprochen werden, denn im Text wird nur von „sportlichen Aktivitäten und Spielen“ und davon, dass „mit Fanfaren und Trommeln musiziert“ wird, gesprochen. Immerhin ist den Schlapphüten in Schwerin aufgefallen, dass „zahlreiche Funktionäre und Aktivisten aus der NPD“ in der HDJ „mitwirken“ und Einfluss nehmen. Tatsächlich sind auffällig viele aus der Führungsriege der NPD in Mecklenburg-Vorpommern in der HDJ-„Einheit Mecklenburg und Pommern“ gezählt.

Auch die Landesämter für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen und Thüringen sehen anscheinend keine Notwendigkeit, nach der HDJ zu sehen. So heißt es in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Landtag in Düsseldorf im Herbst 2006 lapidar, es lägen „keine Erkenntnisse vor“, die die Annahme begründen würden, bei der HDJ handele es sich um eine Ersatzorganisation der verbotenen Wiking Jugend. Gleichwohl sieht die Behörde auf Anfrage „Überschneidungen hinsichtlich der ideologischen Zielsetzung („völkisch-nationalistisch“) und der Zielgruppe („Kinder und Jugendliche“). Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beabsichtigt deshalb auch nicht, „derzeit“ in Richtung eines Vereinsverbotes „initiativ“ zu werden. Dabei gehört gerade die HDJ-Einheit „Hermannsland“ um den ehemaligen WJ-Gauführer Gerd Ulrich in Detmold zu den aktivsten Gruppen innerhalb der rechtsextremen Organisation. Zudem wurden in letzter Zeit Zeltlager im Bergischen Land und im Sauerland durchgeführt und die Einheit versucht verstärkt, Kinder aus dem nicht-politischen Spektrum anzuwerben.

In Thüringen registrieren die Behörden keine besonderen Vorkommnisse, obwohl dort bereits 2003 einer der 150-Kilometer-Märsche über den Rennsteig absolviert worden war, ein großes Pfingstlager mit 200 Teilnehmern in Sonneberg stattfand und kürzlich die Gründungsfeier der „Deutsch-Russischen Friedensbewegung-Europäischen Geistes e.V.“ in Pfersdorf bei Hildburghausen von der HDJ Thüringen mitorganisiert wurde. Auffällig viele ehemalige WJ-Unterstützer trafen sich dort, unter anderem Frank Rennicke, Jürgen Rieger, Thorsten Heise und Gerd Ulrich. In den HDJ-Einheiten Schwaben, Hessen und Franken sind routinierte Neonazis aktiv. So saß zum Beispiel Christine Ringmayer aus Alzenau für die NPD im Frankfurter Römer oder Petra Müller aus Calw, langjährige Anhängerin der „Artgemeinschaft“, gehörte zu den Mitbegründerinnen des „Ring Nationaler Frauen“ (RNF). Obwohl es auch immer wieder Straftaten aus den Reihen der HDJ gibt, ist wenig über deren bundesweites Netzwerk bekannt.

„Freizeitangebot für die ganze Familie“

Einzig die Verfassungsschützer in Berlin und Brandenburg warnen seit Jahren vor den Aktivitäten der HDJ, dort heißt es unter anderem: „Ähnlich wie bei der seit 1994 verbotenen Wiking-Jugend zielt das Lebensbund-Konzept der HDJ darauf ab, ein rechtsextremistisches lebensweltliches Freizeitangebot für die ganze Familie zu bieten.“ Der „Gedanke der Familiengemeinschaft“ wird an einigen Familien innerhalb der HDJ besonders deutlich, denn diese agieren bereits seit Generationen innerhalb der völkisch-nationalistischen Jugendarbeit, dabei handelt es sich beispielsweise um die Familien Nahrath und Börm. „Manche Ehepaare sind schon als Kinder gemeinsam auf Fahrt und Zeltlager gefahren. Eltern, die früher selbst einmal bei uns gewesen sind, schicken heute ihre Kinder auf unsere Lager“, schwadroniert die HDJ auf ihrer Internet-Homepage. Welche „frühere“ Organisation gemeint ist, darüber schweigt die HDJ sich wohlweislich öffentlich aus.

Viele der Funktionäre, die heute innerhalb der HDJ Kinder und Jugendliche schulen, waren schon in der Wiking-Jugend aktiv. Sebastian Räbiger, der heutige Bundesführer war bereits 1994 Gauführer Sachsen der WJ. Zur Zeit läuft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft Potsdam. In der Vereinszeitung „Flunkenflug“ appelliert Räbiger an die Kinder: „Wenn für Dich Dein Volk alles ist und Du bereit bist, für das, was du liebst, aufzustehen, alles zu wagen und zu kämpfen, dann ist Dein Platz bei uns! (…) Denn wenn Du nicht kämpfst, siegt der Schutt, der Neid und der Untergang. Damit die Schlechten nicht siegen, kämpfe mit uns an unserer Seite!“

1952 wurde die Wiking-Jugend von der Familie Nahrath, damals in Wilhelmshaven, später in Stolberg bei Aachen, angeführt. Bis zum Verbot blieb das Zepter in der Sippe. Dirk Nahrath aus Miltenberg, früher „Gauführer Franken“ der WJ, gehört heute zu den führenden Aktivisten der HDJ-„Einheit Franken“. Wolfram Nahrath, der letzte Bundesführer der WJ, hält sich bei der HDJ eher im Hintergrund. Dennoch scheint er wichtige Fäden zu ziehen, so gehört er zu den Organisatoren des alljährlichen „Märkischen Kulturtages“ der HDJ und anderer Gruppen. Auch Nahraths Schwager Manfred Börm aus Handorf, Mitglied im Bundesvorstand der NPD und Leiter des Ordner-dienstes war bereits als „Gauführer Nordmark“ bei der WJ, heute ist die ganze Familie des vorbestraften Politakteurs in der „Einheit Niedersachsen“ aktiv. Sohn und Tochter organisierten kürzlich einen Besuch des Salzmuseums in Lüneburg in Kluft mit HDJ-Fahne. Auch die HDJ- und NPD-Aktivisten Stefan Köster, Andreas Theissen und Eric Kaden aus Dresden waren Anhänger der WJ. Neben ihnen marschierte auch der heutige NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, der heute gern Werbung für die HDJ macht.

„Kämpfer von fanatischer Besessenheit und zäher Ausdauer“

Nicht nur personell, sondern auch Inhaltlich drängen sich zahlreiche Parallelen zwischen Wiking-Jugend und HDJ auf. So ist die HDJ nicht weniger kämpferisch, im „Funkenflug“ heißt es 2005 unter anderem: „Wir brauchen eine Jugend, die hart ist. (…) Wir brauchen Kämpfer von fanatischer Besessenheit und zäher Ausdauer“. In der Vereinszeitung wird dafür die Taktik preisgegeben: „Wenn unsere Jugend wieder zur Bewegung werden soll, um einst das Ruder herumzureißen, dann muss sie in die Mitte des Volkes hinein…“ „Mein Glaube ist der Kampf“ gilt als eine der Parolen der HDJ. Ebenso wie die WJ idealisiert die HDJ die Hitler-Jugend, verehrt NS-Größen. So sei der große Traum von der „Volksgemeinschaft“ 1945 zerplatzt und aus „dem neuen sittlich hochstehenden, untadeligen und uneigennützigen Menschen wurde nichts mehr. Die letzten Reste des großen Traumes gingen 1945 in den Trümmern der Reichshauptstadt unter“, heißt es im „Funkenflug“. Zwei Jahre lang versuchte die HDJ, die verbotene Odalrune als Vereinszeichen juristisch einzufordern, ohne Erfolg. Die Rune war nicht nur Symbol der WJ, sondern auch der Hitler-Jugend. Manfred Börm hat sie sich aus Trotz gleich ins Haus eingemauert. Obwohl von der Straße gut sichtbar, wurde der Bauunternehmer bisher nicht belangt. Der fränkische HDJ-Aktivist Sven Ringmayer dagegen wurde für das Zeigen seiner verehrten Symbole 2006 zu einer Geldstrafe von 2 700 Euro verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem: „Ein Bild von Adolf Hitler in Ihrer Küche bringt ihre Gesinnung ganz gut zum Ausdruck.“

Ähnlich wie die WJ verwendet die HDJ Abzeichen wie den Adler mit ausgebreiteter Schwinge; Rangabzeichen wie Pfeifenschnüre in verschiedenen Farben oder Ansprachen wie „Heil Dir!“. Vorbilder werden zumeist aus der NS-Zeit zitiert, so die BDM-Führerin und überzeugte Nationalsozialistin Jutta Rüdiger, der ehemalige SS-Sturmbannführer Erich Kern, Hitlers Lieblingspilotin Hanna Reitsch oder der SS-Dichter Kurt Eggers. Die HDJ pflegt auch bei allem scheinbaren Pfadfinder-Habitus einen militärischen Charakter. So wird von der Ostsee bis nach Franken allerorts Marschieren, Exierzieren und Strammstehen mit Kindern und Jugendlichen geübt. Bei Fackelschein schwören sie Treue, ehren deutsche Wehrmachtssoldaten und auch Angehörige der verbrecherischen Waffen-SS.

„Paramilitärisches Sommercamp“

Ein besonders militanter Ableger der HDJ zeigte sich bei Angehörigen im Nordwesten Niedersachsens. Als 200 Beamte Ende April über 20 Wohnungen von NPD-Aktivisten durchsuchten, fanden sie ein reichhaltiges Waffenarsenal, darunter nicht funktionsfähiges Kriegsgerät. Ausschlaggebend für die Razzia waren Fotos, die bereits im Herbst 2006 bei Angehörigen der „Freien Nationalisten Vechta“ um den Neonazi Christian Fischer, sichergestellt worden waren. Die Fotos dokumentierten ein „paramilitärisches Sommercamp“ der Neonazis in Wilsum an der holländischen Grenze , dort waren auch Scheinhinrichtungen nachgestellt worden. Unter dem Motto „Leben ist Kampf“ hatten neben anderen die beiden HDJ-Aktivisten Christian Fischer und Christian von Velsen an diesem Lager teilgenommen, dessen Ziel es sei: „jungen Nationalisten neue Kraft“ zu geben, „um sich dem maroden System der BRD weiterhin entgegen zu stellen“. Auf dem Stundenplan standen Frühsport, völkische Lieder, Schulungen, Überleben in der freien Natur, ein Nachtmarsch, eine Morgenfeier bei der die Fahne „feierlich gehisst“ wird sowie Spiele für den „Kampfgeist“. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen die 25 Teilnehmer des rechten Camps wegen Bildung bewaffneter Gruppen.

Rund zwei Wochen nach diesem Wehrsportlager halfen die HDJ-ler von Velsen und Fischer dann wieder, rund 80 Kinder und Jugendliche beim Sommerlager in Fromhausen bei Detmold völkisch auf Trab zu bringen. Die Szenekennerin Tanja P. weist auf die Gefahr hin, dass diese Kinder durch Druck und Drill der HDJ „irgendwann zwangsweise explodieren“ müssten. Experte Frankenberg beklagt gegenüber der ARD, es könne doch nicht angehen, dass „wir überall in der Schule, im Kindergarten, aufpassen, wer unsere Kinder erzieht“, aber, so Frankenberg, dann treten „im Freizeitbereich Leute auf, die Straftaten begangen haben, sich immer noch dazu bekennen“ − und Fazit: die schulen dann jahrelang ungehindert Hunderte von Kindern.

Saturday, September 08, 2007

Detmold: Gefährliche Neonazis

Die Detmolder Polizei nahm am Donnerstagabend im Stadtgebiet insgesamt neun Männer fest, die alle der rechten Szene zuzuordnen sind.

Sie stehen im Verdacht, während einer Informationsveranstaltung über die Aktivitäten der rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend in der „Papiermühle“ im Detmolder Ortsteil Berlebeck mehrere Rauchbomben in die Nähe einer Gruppe von Besuchern vor dem Gebäude geworfen zu haben. Personen wurden nicht verletzt. Verschiedene regionale Antifa-Gruppen und Kulturinitiativen hatten zur Aufklärung über die HDJ-„Einheit Hermannsland“ und ihrer NPD-Funktionäre geladen. Diese HDJ-Gruppe um NPD-Ordner Gerd Ulrich, der bereits als „Gauführer Westfalen“ der verbotenen Wiking-Jugend fungierte, gilt als eine der aktivsten. Immer wieder finden Treffen, Ausmärsche oder Klettercamps mit Kindern auf dem Gelände von Ulrich in Berlebeck statt. Im August vergangenen Jahres hatte die HDJ in der Nähe der Externsteine ihr Bundessommerlager mit über 80 Kindern und Jugendlichen abgehalten. Mit Flugblättern werben die Rechten für ihre gefährliche Jugendarbeit. Bewohner befürchten nun, dass sich HDJ-Anhänger ein weiteres Gebäude in Berlebeck kaufen könnten. Für Samstag ist eine Demonstration unter dem Motto „Neonazistische HDJ verbieten – braune Funktionäre enttarnen“ direkt in dem Detmolder Stadtteil geplant. Neonazis der „Nationalen Offensive Schaumburg“ um Marcus Winter und aus dem Raum Ostwestfalen-Lippe hatten bereits langfristig mit Störungen der Veranstaltungsreihe gedroht. Die neun festgenommenen Rechtsextremisten sind nach Polizeiangaben „eindeutig“ der Szene zuzuordnen und stammen aus Detmold, Verl, Gütersloh und Bad Salzufflen. In ihren Autos wurden Totschläger, Baseballschläger und Eisenkrampen gefunden. Die neun Verdächtigen wurden in den frühen Morgenstunden entlassen, ihnen wurden bis zum kommenden Montag polizeiliche Platzverweise für bestimmte Bereiche im Raum Ostwestfalen-Lippe erteilt. Szenekenner befürchten dennoch für die antifaschistische Demonstration am Samstag weitere Störungen durch Neonazis. (ar)

Bnr [07.09.07]

Tuesday, May 29, 2007

HDJ-Zeltlager in nds. Eschede

HDJ-Zeltlager mit ca. 200 Neonazis im niedersächsischen Eschede über Pfingsten ...lesen

Siehe auch:

Völkisches Pfingstlager

Die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) führte ihr Pfingstlager am vergangenen Wochenende mit etwa 200 Teilnehmern auf dem Gelände des NPD-Mannes Joachim Nahtz in Eschede bei Celle durch.
Ursprünglich sollte das Lager im hessischen Hofgeismar stattfinden, doch einem Bericht der „Celleschen Zeitung“ zufolge, kündigte der Verpächter der HDJ nach Gesprächen mit der Polizei. Nur rund 20 Kilometer vom ehemaligen Neonazi-Zentrum Hetendorf in der Lüneburger Heide entfernt, schlugen die Neonazis mit Kindern und Jugendlichen ihre weißen Jurten auf, unter ihnen waren der HDJ-Bundesführer und ehemalige sächsische Wiking-Jugend-Gauführer Sebastian Räbiger, sowie die ehemaligen Wiking-Jugend-Funktionäre Manfred Börm und Gerd Ulrich. Auch die HDJ-„Einheiten“ Franken und Hessen waren vertreten, sowie die „Einheiten“ „Preußen“ und „Mecklenburg-Pommern“, neben anderen durch Jörg Hähnel, Michael Gielnik, Frank Klawitter und Torgej Klingbiel. Am Samstag wurde ähnlich den „Germanischen Sechskämpfen“ in Hetendorf Sperrwurf geübt, am Sonntag gab es Volkstanz und Singen. „Es ging aber auch militärisch zu“, bestätigte einer der anwesenden Polizeibeamten, obwohl das Tragen der uniformähnlichen HDJ-Kluft untersagt worden war. So traten Jugendliche zum Fahnenappell an und laute Befehle waren zu hören. Mitglieder des NPD-Ordnerdienstes kontrollierten mit Funkgeräten auf dem Gelände, unter ihnen war auch Christian Fischer, NPD-„Stützpunktleiter“ aus Vechta. Gegen ihn wird zur Zeit nach einer Razzia wegen „Bildung einer bewaffneten Gruppe“ ermittelt. Er hatte gemeinsam mit 25 anderen Neonazis im August letzten Jahres ein paramilitärisches Camp an der deutsch-holländischen Grenze durchgeführt. (ar)

Quelle
Bnr [29.05.07]

Siehe auch:

DGB fordert Verbot [30.05.07]



Tuesday, June 19, 2007

Zeltlager der HDJ verhindert

Ein geplantes Zeltlager der neonazistischen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) in Niedersachsen ist ausgefallen. Ein Landwirt hatte eine Wiese im Osnabrücker Land für das Zeltlager zur Verfügung gestellt. Als er jedoch erfuhr, dass es sich um eine Neonazi-Organisation handelte, zog er sein Angebot zurück. Einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung zufolge war es der HDJ zuvor auch in Südniedersachsen ähnlich ergangen.

Quelle

NPD-blog [19.06.07]




Siehe auch:

„Paramilitärische Lager“
Sonnenwendfeuer der HDJ zur „Beseitigung des kranken Systems“.

Ursprünglich sollte das Sonnenwend-Zeltlager der drei norddeutschen HDJ-Einheiten „Nordland, Niedersachsen und Hermannsland“ ab 16. Juni in Lemförde am Dümmer See auf dem Grundstück eines sympathisierenden Landwirtes stattfinden. Im internen Einladungsschreiben der Heimattreuen Deutschen Jugend begrüßten Christian von Velsen aus Georgsmarienhütte und Alf Börm aus Handorf die Anhänger mit „Heil Euch Kameraden, liebe Familien!“ Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass die Sonnenwendfeuer entzündet werden sollen, „als Zeichen, unsere schlummernde Kultur wieder zum Leben zu erwecken und dieses kranke System zu beseitigen!“
Wenige Tage vor dem Zeltlager konfrontierte die Polizei in Diepholz den Landwirt in Lemförde mit den möglichen Folgen, der machte schließlich einen Rückzieher. „Weitergehende Ermittlungen führten zu der Absage des Zeltlagers“, bestätigte Polizeisprecherin Jutta Stricker. Als die HDJ-Anhänger dann am Samstag nachmittag nach Dratum-Ausbergen bei Melle auswichen und am Waldrand ihre weißen Alexzelte aufschlugen, wusste die Polizei noch nichts von dem Ausweichort. Unter den rund 40 angereisten HDJ waren neben vielen Kindern auch NPD-Funktionäre wie Gerd Ulrich aus Detmold, Manfred Börm aus Handorf, sowie weitere Aktivisten aus Steinfurt, Bad Laer, Höxter und Plön.
Die später informierte Polizei beendete das Zeltlager jedoch gegen 19.00 Uhr, weil auch der neue Verpächter von der Abmachung zurücktrat. Ein Polizeisprecher der Osnabrücker Polizei stufte die Aktion vor laufender Kamera als „paramilitärisches Lager“ ein. Velsen beschimpfte die Beamten, das sei eine „private Veranstaltung und habe nichts mit der HDJ zu tun!“ –, er vergaß die Fahne mitten auf der Wiese. Die Zelte mußten abgebaut werden und die HDJ-Anhänger fuhren im Konvoi nach Georgsmarienhütte. Dort im Stadtteil Harderberg betreibt die NPD ein eigenes Haus auf Privatgelände.
Am Eingang wurden glatzköpfige Wachen aufgestellt, mit dabei war auch Christian Fischer aus Vechta, ein Anhänger der HDJ und „Stützpunktleiter“ der NPD in Vechta. Gegen ihn und gegen Christian von Velsen ermittelt die Osnabrücker Staatsanwaltschaft wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe.
Eine Woche zuvor hatten Mitglieder der „Einheit Hermannsland“ aus Detmold als Trachtengruppe getarnt versucht, an einem Volkstanz-Fest in der Region Horn-Bad Meinberg teilzunehmen. Der Organisator des „Traktor-Treffen“ erkannte sie als HDJ und verwies sie des Platzes.

Monday, November 10, 2008

Detmold: Feuerwehr toleriert HDJ

Detmold-Berlebeck: Freiwillige Feuerwehr toleriert HDJ-Teilnahnahme an "Laternen-Umzug für alle Kinder"
Der "Löschzug Detmold Süd" der Freiwilligen Feuerwehr hatte eingeladen und über 130 Menschen nahmen heute an einem "Laternen-Umzug für alle Kinder" im Detmolder Ortsteil Berlebeck teil. Pünktlich auf den Weg gemacht hatten sich auch Anna-Maria und Gerd Ulrich von der "Einheit Hermannsland" der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ), natürlich mit ihren zwei Kindern. ...lesen

Sunday, June 14, 2009

Braune Kulturwelt

Ein Netzwerk aus rechtsextremen Organisationen und völkisch-bündischen Jugendgruppen trifft sich seit Jahrzehnten zu germanischer Brauchtumspflege und Volkstänzen.

Gleich nach Feierabend oder Schulschluss, am Wochenende und in den Ferien, gestalten Tausende von Rechtsextremisten ihre eigene, oft nationalsozialistisch geprägte Kulturwelt. Abgeschottet von Öffentlichkeit, fernab von provokanten Aufmärschen oder Parteiveranstaltungen finden sie sich ungestört zur Pflege germanischem Brauchtums, Volkstanz oder Singewettstreiten zusammen. Zusammenhalt geben den diversen Gruppen und Organisationen eine gemeinsame nationalistische Ideologie sowie ehrgeiziges Streben nach deutschem Elitegeist. Dabei werden harmlose alte Traditionen wie das Hissen eines Maibaumes oder das Schöpfen von Osterwasser aufgegriffen und für ihre Zwecke vereinnahmt.

Es gibt aber auch Kulturveranstaltungen anderer Art, die im Verborgenen laufen. Anfang Juni luden sächsische Neonazis in den Chemnitzer Europark. Unauffällig, in der Gaststätte „Yesterday“, sollte der „nationale Schriftsteller“ Eric Kaden aus Dresden einen Vortrag über Kurt Eggers – einem in völkischen Kreisen kultartig verehrten SS-Dichter – halten.
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Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein straff organisiertes Netzwerk aus jahrzehntelang gewachsenen rechtsextremen Kulturorganisationen, völkisch-bündischen Jugendgruppen und Freundeskreisen, die mit kultureller Vielfalt und demokratischer Zivilgesellschaft nicht viel am Hut haben. Ausschließlich, wer aus der eigenen ethnischen Gruppe stammt, wird eingeladen, darf teilnehmen. Ausnahmen sind alljährliche europäische Treffen wie zum Beispiel die „Gästewoche des Deutschen Kulturwerkes“, an der Kaden im September 2006 in Graz teilnahm. Sein Chemnitzer Vortrag wurde unter anderem von der Gruppe „Sonnenritter“ um NPD-Aktivist Tony Gerber aus Zwickau intern beworben. Gerber sieht sich und seine Sonnenritter als „Organisation zum Schutz und Erhalt des Volkes und Kulturgutes“.
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Teilnahme an Sängerfesten und Singewettstreiten

Der erfolgreiche Karate-Kampfsportlehrer Eric Kaden ist vielseitig kulturell aktiv. So war er beteiligt an Gruppen wie dem einflussreichen „Freundeskreis Ulrich von Hutten“, in dem sich zahlreiche Alt- und Neonazis gemeinsam mit zurückhaltenden Hintergrundakteuren tummeln. Im Schulungslager der militanten „Wiking-Jugend“ gewannen seine Kameraden aus dem „Gau Sachsen“ einst den „Bundessingewettstreit“ mit dem Pflichtlied „Und der da vorn die Trommel schlägt“ den ersten Platz.

Insbesondere in rechten Jugendbünden wie dem „Freibund – Bund Heimattreuer Jugend“, dem „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ oder in nationalistischen Burschenschaften wird heute einschlägiges Liedgut gepflegt. Deren Mitglieder versuchen immer wieder, sich an überbündischen oder Pfadfinder-nahen Singewettstreiten und Sängerfesten zu beteiligen, oft werden sie inzwischen ausgeschlossen oder bekommen im Vorfeld Hausverbot.
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„Liedersammlung“ der verbotenen HDJ

Fester Bestandteil der Brauchtumspflege ist auch der Volkstanz. So beteiligten sich nicht nur HDJ-ler wie die ehemalige Bundesmädelführerin“ Holle Böhm an einer Vorführung beim „Pressefest“ der NPD in Dresden, sondern Anhänger der HDJ-Einheit „Hermannsland“ oder des „Heimatbund Pommern“ versuchten auch, an außerpolitischen Tanzveranstaltungen teilzunehmen. Personen wie beispielsweise der heidnische Trauerredner Gerd Rothe richten andererseits Feiern aus, um außerhalb der Szene Tanzbegeisterte anzulocken. Rothes „9. Ostwestfälischer Volkstanzball“ sollte Mitte März in Bad Oeynhausen-Rehme starten. Rothe, der Anhänger der rassistischen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ war, schart seit Jahren Volkstänzer um sich. 2008 berichteten Angehörige des völkischen „Freibundes“ über ihre Teilname am Ball in der bundeseigenen Zeitschrift.

Ende April lud der „Tanz- und Spielkreis Mitteldeutschland“ um Kai Pfürstinger zum internen Fest ins Erzgebirge ein. Pfürstinger, Landesvorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) und Ausrichter des jährlichen Neonazi-Aufmarsches zur Bombardierung Dresdens, beteiligt sich immer wieder an bündischen Treffen. So zum Beispiel im Jahr 2008 beim so genannten „überbündischen Burgfest“, das seit 1995 jährlich auf wechselnden Burgen stattfindet. Bis 2006 auch unter Beteiligung der HDJ. Seine Anhängerschar findet Pfürstinger unter anderem in den Reihen von ehemaliger HDJ, der thüringischen „Schlesischen Jugend“ oder dem heidnisch-religiösen „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff e.V.“. Der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten.

(...)

„Mitteldeutscher Volkstanzkreis“ sucht neue Mitstreiter

Insbesondere heidnische Feste wie das Julfest im Dezember, die Sonnenwenden im Sommer und Winter oder die Ostara-Feiern gehören zum Pflichtrepertoire der Szene. Anfang April dieses Jahres lud zum Beispiel ein Kreis von Aktivisten, die sich selbst als „Wandergruppe Knotenstock“ bezeichnen, in den Raum Chemnitz „auf einen bekannten 4-Seitenhof“ in Cossen ein.
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Interessierte an „deutschen Volkstänzen“ sollten sich telefonisch melden. Die angegebene Handynummer hatte in den vergangenen Jahren der ehemals militante Neonazi Steffen Hupka genutzt. Hupka, der in Trebnitz bei Halle ein Schulungszentrum errichten wollte, bot nebenher seine antiquarischen Bücher unter anderem bei einer Ostertagung der rassistischen Ludendorff-Gemeinschaft 2006 in Dorfmark an. Neonazis sind umtriebige Menschen – vor allem im Hintergrund. ...lesen


Wednesday, December 13, 2006

Niedersachsen: Revolte gegen den Landeschef

Hannover – Es brodelt bereits seit Monaten an der niedersächsischen NPD-Basis.
Im Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen im Januar 2008 wächst der Widerstand gegen den bisherigen Landesvorsitzenden Ulrich Eigenfeld. In dieser Woche übergaben NPD-Mitglieder dem Landesgeschäftsführer Malte Holzer eine mehrseitige Unterschriftenliste, auf der 67 Unterzeichner einen Sonderparteitag „zum Zwecke einer Vorstandsneuwahl“ der NPD in Niedersachsen fordern. Ein Großteil der Unterschriften stammt aus dem NPD-Unterbezirk Stade. Ziel des Aufrührerkreises um Landesvize Adolf Dammann und Hans-Gerd Wiechmann kann nur die Abwahl Eigenfelds sein, da unter dessen Führung die Gefahr bestehe, dass auch die zukünftige Wahl, „wie in der Vergangenheit geschehen“, auf die „leichte Schulter“ genommen werden könnte. Ziel der NPD-Rebellen ist es nach eigenen Angaben, in dem nördlichen Flächenland ein Ergebnis zu erzielen, „dass uns in die staatliche Parteienfinanzierung einbringt“. Das ginge jedoch nur mit Wahlkampfunterstützung der Kameradschaften und die zeigten unter dem amtierenden Landesvorstand ihr Desinteresse. Christian Worch aus Hamburg spielt die machtvolle Position der Freien Nationalisten aus. Er schreibt: „Daher haben maßgebliche parteifreie Aktivisten aus Norddeutschland bereits erklärt, einen unter Leitung von Adolf Dammann stehenden Landesverband im Wahlkampf unterstützen zu wollen.“ Während das Interesse „im Falle der Fortdauer“ von Eigenfeld „gegen null tendiert“. (ar)
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Quelle
Bnr [13.12.06]