antifa , antifaschistische aktion , antifaschistische aktionen

Tuesday, May 29, 2007

Braune Kinderfänger

Die rechtsextreme „Heimattreue Deutsche Jugend“ veranstaltet völkische Freizeitlager für Kinder und Jugendliche und übt mit ihnen militärischen Drill. In der Organisation sind auch zahlreiche NPD-Funktionäre aktiv.


Pfingsten steht vor der Tür. Freie Schulzeit, die Aktivisten der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) nutzen wollen, um vom 25. bis zum 28. Mai Kindern und Jugendlichen in einem bundesweiten Pfingst-Zeltlager „ein Leben mit Tradititon und Werten“ für ein „unabhängiges Deutschland“ anhand von „körperlicher und geistiger Lebensführung“ beizubringen.

Viele Hunderte von Schulkindern und jungen Erwachsenen schlüpfen seit Jahren Wochenende für Wochenende in ihre dunkelblaue HDJ-Kluft, tauschen Kinderzimmer mit weißen Jurten und tauchen in eine konspirative völkisch-nationalistische Parallelwelt ab. Allein in diesem Jahr plant die rechtsextreme Jugendorganisation bundesweit über 25 Zeltlager, Seminare, Märsche und einschlägige Feiern. Die Ziele der HDJ formulierte der erste Bundesführer Alexander Scholz so: „Wir verpflichten uns Deutschland, indem wir geistige und körperliche Wehrhaftigkeit ausbilden“. Dafür erziehen HDJ-Funktionäre wie der jetzige Bundesführer Sebastian Räbiger aus Reichenwalde Jugendliche mit Themen wie Menschenführung, Rhetorik oder Lagersicherheit. Streng getrennt nach Geschlechtern werden die jungen Leute in völkischer Kleidung geschult und trainiert. Frühsport, 150-Kilometer-Märsche mit Gepäck und eine so genannte „Mutprobe“ gehören zum Programm der einschlägigen Lager.

Die Heimattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V. existiert unter diesem Namen als eingetragener Verein beim Amtsgericht in Kiel seit sieben Jahren. Ihre Wurzeln sieht sie offiziell im Bund Heimattreuer Jugend beziehungsweise in der weit weniger bekannten Organisation Die Heimattreue Jugend. Aus taktischen Gründen versucht die HDJ insbesondere, bestehende Kontinuitäten zur 1994 verbotenen Wiking-Jugend zu verschweigen, denn im Erlass des Bundesinnenministeriums hieß es damals ausdrücklich: „Es ist verboten, Ersatzorganisationen für die Wiking-Jugend zu bilden.“

„Ersatzorganisation für die Wiking-Jugend“

Doch genau darum scheint es sich bei der Heimattreuen Deutschen Jugend zu handeln: um einen Ersatz der Wiking-Jugend (WJ). Experte Günther Frankenberg von der Goethe-Universität in Frankfurt bestätigte gegenüber dem ARD-Magazin „panorama“, die HDJ sei aus seiner Sicht „eine Ersatzorganisation für die Wiking-Jugend“. Dem anerkannten Juristen ist unverständlich, warum das Bundesinnenministerium „in diesem Fall nicht handelt“. Die Aussteigerin Tanja P. schickte zwei ihrer Kinder in HDJ-Lager und urteilt heute im Fernseh-Interview: „Die Kinder werden dort vorbereitet auf den zu erwartenden Straßenkampf, auf Demonstrationen. Und in diesem Sinne, im Sinne des Dritten Reiches, werden sie mit dieser Ideologie herangezogen.“

Tatsächlich beobachten nur drei der insgesamt 16 Landesämter für Verfassungsschutz die Aktivitäten der rechten Kinderfänger. Im Fall des aktuell vorgestellten Verfassungs- schutzbericht Mecklenburg-Vorpommern kann aber kaum von einer ernsthaften Warnung gesprochen werden, denn im Text wird nur von „sportlichen Aktivitäten und Spielen“ und davon, dass „mit Fanfaren und Trommeln musiziert“ wird, gesprochen. Immerhin ist den Schlapphüten in Schwerin aufgefallen, dass „zahlreiche Funktionäre und Aktivisten aus der NPD“ in der HDJ „mitwirken“ und Einfluss nehmen. Tatsächlich sind auffällig viele aus der Führungsriege der NPD in Mecklenburg-Vorpommern in der HDJ-„Einheit Mecklenburg und Pommern“ gezählt.

Auch die Landesämter für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen und Thüringen sehen anscheinend keine Notwendigkeit, nach der HDJ zu sehen. So heißt es in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Landtag in Düsseldorf im Herbst 2006 lapidar, es lägen „keine Erkenntnisse vor“, die die Annahme begründen würden, bei der HDJ handele es sich um eine Ersatzorganisation der verbotenen Wiking Jugend. Gleichwohl sieht die Behörde auf Anfrage „Überschneidungen hinsichtlich der ideologischen Zielsetzung („völkisch-nationalistisch“) und der Zielgruppe („Kinder und Jugendliche“). Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beabsichtigt deshalb auch nicht, „derzeit“ in Richtung eines Vereinsverbotes „initiativ“ zu werden. Dabei gehört gerade die HDJ-Einheit „Hermannsland“ um den ehemaligen WJ-Gauführer Gerd Ulrich in Detmold zu den aktivsten Gruppen innerhalb der rechtsextremen Organisation. Zudem wurden in letzter Zeit Zeltlager im Bergischen Land und im Sauerland durchgeführt und die Einheit versucht verstärkt, Kinder aus dem nicht-politischen Spektrum anzuwerben.

In Thüringen registrieren die Behörden keine besonderen Vorkommnisse, obwohl dort bereits 2003 einer der 150-Kilometer-Märsche über den Rennsteig absolviert worden war, ein großes Pfingstlager mit 200 Teilnehmern in Sonneberg stattfand und kürzlich die Gründungsfeier der „Deutsch-Russischen Friedensbewegung-Europäischen Geistes e.V.“ in Pfersdorf bei Hildburghausen von der HDJ Thüringen mitorganisiert wurde. Auffällig viele ehemalige WJ-Unterstützer trafen sich dort, unter anderem Frank Rennicke, Jürgen Rieger, Thorsten Heise und Gerd Ulrich. In den HDJ-Einheiten Schwaben, Hessen und Franken sind routinierte Neonazis aktiv. So saß zum Beispiel Christine Ringmayer aus Alzenau für die NPD im Frankfurter Römer oder Petra Müller aus Calw, langjährige Anhängerin der „Artgemeinschaft“, gehörte zu den Mitbegründerinnen des „Ring Nationaler Frauen“ (RNF). Obwohl es auch immer wieder Straftaten aus den Reihen der HDJ gibt, ist wenig über deren bundesweites Netzwerk bekannt.

„Freizeitangebot für die ganze Familie“

Einzig die Verfassungsschützer in Berlin und Brandenburg warnen seit Jahren vor den Aktivitäten der HDJ, dort heißt es unter anderem: „Ähnlich wie bei der seit 1994 verbotenen Wiking-Jugend zielt das Lebensbund-Konzept der HDJ darauf ab, ein rechtsextremistisches lebensweltliches Freizeitangebot für die ganze Familie zu bieten.“ Der „Gedanke der Familiengemeinschaft“ wird an einigen Familien innerhalb der HDJ besonders deutlich, denn diese agieren bereits seit Generationen innerhalb der völkisch-nationalistischen Jugendarbeit, dabei handelt es sich beispielsweise um die Familien Nahrath und Börm. „Manche Ehepaare sind schon als Kinder gemeinsam auf Fahrt und Zeltlager gefahren. Eltern, die früher selbst einmal bei uns gewesen sind, schicken heute ihre Kinder auf unsere Lager“, schwadroniert die HDJ auf ihrer Internet-Homepage. Welche „frühere“ Organisation gemeint ist, darüber schweigt die HDJ sich wohlweislich öffentlich aus.

Viele der Funktionäre, die heute innerhalb der HDJ Kinder und Jugendliche schulen, waren schon in der Wiking-Jugend aktiv. Sebastian Räbiger, der heutige Bundesführer war bereits 1994 Gauführer Sachsen der WJ. Zur Zeit läuft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft Potsdam. In der Vereinszeitung „Flunkenflug“ appelliert Räbiger an die Kinder: „Wenn für Dich Dein Volk alles ist und Du bereit bist, für das, was du liebst, aufzustehen, alles zu wagen und zu kämpfen, dann ist Dein Platz bei uns! (…) Denn wenn Du nicht kämpfst, siegt der Schutt, der Neid und der Untergang. Damit die Schlechten nicht siegen, kämpfe mit uns an unserer Seite!“

1952 wurde die Wiking-Jugend von der Familie Nahrath, damals in Wilhelmshaven, später in Stolberg bei Aachen, angeführt. Bis zum Verbot blieb das Zepter in der Sippe. Dirk Nahrath aus Miltenberg, früher „Gauführer Franken“ der WJ, gehört heute zu den führenden Aktivisten der HDJ-„Einheit Franken“. Wolfram Nahrath, der letzte Bundesführer der WJ, hält sich bei der HDJ eher im Hintergrund. Dennoch scheint er wichtige Fäden zu ziehen, so gehört er zu den Organisatoren des alljährlichen „Märkischen Kulturtages“ der HDJ und anderer Gruppen. Auch Nahraths Schwager Manfred Börm aus Handorf, Mitglied im Bundesvorstand der NPD und Leiter des Ordner-dienstes war bereits als „Gauführer Nordmark“ bei der WJ, heute ist die ganze Familie des vorbestraften Politakteurs in der „Einheit Niedersachsen“ aktiv. Sohn und Tochter organisierten kürzlich einen Besuch des Salzmuseums in Lüneburg in Kluft mit HDJ-Fahne. Auch die HDJ- und NPD-Aktivisten Stefan Köster, Andreas Theissen und Eric Kaden aus Dresden waren Anhänger der WJ. Neben ihnen marschierte auch der heutige NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, der heute gern Werbung für die HDJ macht.

„Kämpfer von fanatischer Besessenheit und zäher Ausdauer“

Nicht nur personell, sondern auch Inhaltlich drängen sich zahlreiche Parallelen zwischen Wiking-Jugend und HDJ auf. So ist die HDJ nicht weniger kämpferisch, im „Funkenflug“ heißt es 2005 unter anderem: „Wir brauchen eine Jugend, die hart ist. (…) Wir brauchen Kämpfer von fanatischer Besessenheit und zäher Ausdauer“. In der Vereinszeitung wird dafür die Taktik preisgegeben: „Wenn unsere Jugend wieder zur Bewegung werden soll, um einst das Ruder herumzureißen, dann muss sie in die Mitte des Volkes hinein…“ „Mein Glaube ist der Kampf“ gilt als eine der Parolen der HDJ. Ebenso wie die WJ idealisiert die HDJ die Hitler-Jugend, verehrt NS-Größen. So sei der große Traum von der „Volksgemeinschaft“ 1945 zerplatzt und aus „dem neuen sittlich hochstehenden, untadeligen und uneigennützigen Menschen wurde nichts mehr. Die letzten Reste des großen Traumes gingen 1945 in den Trümmern der Reichshauptstadt unter“, heißt es im „Funkenflug“. Zwei Jahre lang versuchte die HDJ, die verbotene Odalrune als Vereinszeichen juristisch einzufordern, ohne Erfolg. Die Rune war nicht nur Symbol der WJ, sondern auch der Hitler-Jugend. Manfred Börm hat sie sich aus Trotz gleich ins Haus eingemauert. Obwohl von der Straße gut sichtbar, wurde der Bauunternehmer bisher nicht belangt. Der fränkische HDJ-Aktivist Sven Ringmayer dagegen wurde für das Zeigen seiner verehrten Symbole 2006 zu einer Geldstrafe von 2 700 Euro verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem: „Ein Bild von Adolf Hitler in Ihrer Küche bringt ihre Gesinnung ganz gut zum Ausdruck.“

Ähnlich wie die WJ verwendet die HDJ Abzeichen wie den Adler mit ausgebreiteter Schwinge; Rangabzeichen wie Pfeifenschnüre in verschiedenen Farben oder Ansprachen wie „Heil Dir!“. Vorbilder werden zumeist aus der NS-Zeit zitiert, so die BDM-Führerin und überzeugte Nationalsozialistin Jutta Rüdiger, der ehemalige SS-Sturmbannführer Erich Kern, Hitlers Lieblingspilotin Hanna Reitsch oder der SS-Dichter Kurt Eggers. Die HDJ pflegt auch bei allem scheinbaren Pfadfinder-Habitus einen militärischen Charakter. So wird von der Ostsee bis nach Franken allerorts Marschieren, Exierzieren und Strammstehen mit Kindern und Jugendlichen geübt. Bei Fackelschein schwören sie Treue, ehren deutsche Wehrmachtssoldaten und auch Angehörige der verbrecherischen Waffen-SS.

„Paramilitärisches Sommercamp“

Ein besonders militanter Ableger der HDJ zeigte sich bei Angehörigen im Nordwesten Niedersachsens. Als 200 Beamte Ende April über 20 Wohnungen von NPD-Aktivisten durchsuchten, fanden sie ein reichhaltiges Waffenarsenal, darunter nicht funktionsfähiges Kriegsgerät. Ausschlaggebend für die Razzia waren Fotos, die bereits im Herbst 2006 bei Angehörigen der „Freien Nationalisten Vechta“ um den Neonazi Christian Fischer, sichergestellt worden waren. Die Fotos dokumentierten ein „paramilitärisches Sommercamp“ der Neonazis in Wilsum an der holländischen Grenze , dort waren auch Scheinhinrichtungen nachgestellt worden. Unter dem Motto „Leben ist Kampf“ hatten neben anderen die beiden HDJ-Aktivisten Christian Fischer und Christian von Velsen an diesem Lager teilgenommen, dessen Ziel es sei: „jungen Nationalisten neue Kraft“ zu geben, „um sich dem maroden System der BRD weiterhin entgegen zu stellen“. Auf dem Stundenplan standen Frühsport, völkische Lieder, Schulungen, Überleben in der freien Natur, ein Nachtmarsch, eine Morgenfeier bei der die Fahne „feierlich gehisst“ wird sowie Spiele für den „Kampfgeist“. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen die 25 Teilnehmer des rechten Camps wegen Bildung bewaffneter Gruppen.

Rund zwei Wochen nach diesem Wehrsportlager halfen die HDJ-ler von Velsen und Fischer dann wieder, rund 80 Kinder und Jugendliche beim Sommerlager in Fromhausen bei Detmold völkisch auf Trab zu bringen. Die Szenekennerin Tanja P. weist auf die Gefahr hin, dass diese Kinder durch Druck und Drill der HDJ „irgendwann zwangsweise explodieren“ müssten. Experte Frankenberg beklagt gegenüber der ARD, es könne doch nicht angehen, dass „wir überall in der Schule, im Kindergarten, aufpassen, wer unsere Kinder erzieht“, aber, so Frankenberg, dann treten „im Freizeitbereich Leute auf, die Straftaten begangen haben, sich immer noch dazu bekennen“ − und Fazit: die schulen dann jahrelang ungehindert Hunderte von Kindern.

Saturday, May 17, 2008

Nach CH-Verbot: Politik nimmt HDJ ins Visier

Die Verbote gegen das „Collegium Humanum“ (CH) sowie zwei weitere Vereine aus dem Netzwerk der Holocaust-Leugner hat wenig überrascht: Nachdem das CH wegen seiner Gemeinnützigkeit in den vergangenen Monaten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, stand das Bundesinnenministerium offenbar unter Druck – und wollte nun ein Zeichen setzen. Gemeinsam mit dem CH wurden der “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten” (VRBHV) sowie die “Bauernhilfe e.V.” verboten – beide waren eng mit dem CH verknüpft. Auf die “Bauernhilfe” mit Sitz in Söhrewald bei Kassel hatten Experten zuletzt immer wieder hingewiesen, denn der unauffällige Verein stand lange Zeit kaum im Fokus der Behörden, diente dem CH aber offenbar als Auffangbecken für die Immobilie und das Vereinsvermögen.

Nach diesen Verboten richtet sich der Blick nun wieder auf die „Heimattreute Deutsche Jugend“ (HDJ) ...lesen

Siehe auch:

Grüne: NS-Verein verbieten [27.06.08]
Dokumentation: Antrag im Bundestag für ein HDJ-Verbot [30.06.08]
HDJ muss verboten werden! (Christian Ahrendt) [11.08.08]
Politiker fordern HDJ-Verbot (NDR Video)
Politiker fordern Verbot der HDJ [12.08.08]
Ruf nach Verbot von rechtem Jugendverein
Ferien unterm Hakenkreuz
Nazi-Jugendverein HDJ soll verboten werden
Sachsen-Anhalt will HDJ verbieten [13.08.08]
Politik will Neonazi-Jugendverein rasch das Handwerk legen (Ruf nach HDJ-Verbot - SPD drängt Schäuble)
Nazi-Jugend HDJ vor dem Verbot [14.08.08]
Linke fordert Verbot der rechten Jugendorganisation HDJ
Zentralrat verlangt Verbot
Immer mehr Politiker fordern Verbot der HDJ
HDJ-Verbot wird offenbar geprüft
Verbot der rechtsextremen HDJ notwendig (Mathias Brodkorb) [08.09.08]
Auch Linksfraktion fordert Verbot der HDJ [17.09.08]
Innenausschuss berät über Anträge zum HDJ-Verbot (drei voneinander getrennt eingereichten Anträgen von Grünen, FDP und der Linkspartei) [24.09.08]
Anträge zum HDJ-Verbot von der Tagesordnung genommen (Begründet wurde die Änderung der Tagesordnung von Vertetern der großen Koalition mit einem eigenen Antrag zur Prüfung eines Vereinsverbotes) [25.09.08]
Rechte HDJ verbieten (Bundesjugendring hat sich für ein Verbot ausgesprochen) [27.10.08]
Ein Verbot dürfte nicht reichen (in Entwurf der Bundesregierung zur "vereinsrechtlichen Prüfung" des in Kiel eingetragen Vereins ist ausgearbeitet) [13.11.08]
Beratungen über HDJ-Verbot lassen weiter auf sich warten
Große Koalition legt Antrag für HDJ-Verbot vor (Die CDU/CSU-Fraktion und die SPD-Fraktion haben sich in einem gemeinsamen Antrag (16/10839) für ein Verbot des Vereins ausgesprochen) [25.11.08]

NPD-nahe Jugendorganisation HDJ verboten [31.03.09]
Dokumentation: Innenministerium zum Verbot der HDJ
Reaktionen auf das HDJ-Verbot: “Überfälliger Schritt”
Schäuble verbietet rechtsextreme "Heimattreue Deutsche Jugend"
Schäuble verbietet "Heimattreue Deutsche Jugend"
"Heimattreue Jugend" verboten
Schäuble verbietet "Heimattreue Deutsche Jugend"
Schäuble verbietet rechtsextreme HDJ (Laut einem Ministeriumssprecher fanden am Morgen Hausdurchsuchungen in vier Bundesländern statt. Das Vereinsvermögen soll beschlagnahmt werden)
HDJ verboten
Die HDJ, die NPD und die “Kinder vom Bahnhof Zoo” [01.04.09]
Schäuble verbietet Neonazi-Verein
Schönbohm begrüßt HDJ-Verbot als "aktiven Jugendschutz"
Feine deutsche Jugend
In Zeltlagern braunes Gedankengut vermittelt
Keine Rassenkunde im Zeltlager mehr
Heimattreue werden heimatlos
Leere Zelte (Im Norden " besonders aktiv, Einheit "Nordland", Joachim Nahtz)
Bauch unterm Hakenkreuz (Hausdurchsuchungen offenbar ein Volltreffer, Arierzüchtung auf dem von Neonazis gekauften Heisenhof habe längst begonnen)
Vereinskasse der HDJ sichergestellt
Durchsuchung beim Bundesvorsitzenden in Brandenburg (Durchsuchungen von Wohnungen und Büros in Brandenburg, Berlin, Sachsen und Niedersachsen, Sebastian Räbiger, Jörg Hähnel)
Pragmatisch und vertretbar
«Da bricht ein Teil der Struktur weg» (David Begrich)
Die braunen Pfadfinder
Es gibt keine Ideallösung
Hövelmann reagiert mit Genugtuung auf HDJ-Verbot
Rassenkunde im Sommercamp
Kinder nicht den Neonazis überlassen
HDJ war in Thüringen aktiv
"Die müssen isoliert werden auf allen Ebenen" (Klaus Schröder)
Zypries (SPD) fordert weitere Verbote gegen rechtsextreme Vereine
Zwei Paar Springerstiefel (Mit dem überfälligen Verbot der Heimattreuen Deutschen Jugend ist gerade mal eine Quelle für braunes Gedankengut trockengelegt. Rassismus ist allgegenwärtiger Alltag)
Neonazi-Organisation macht laut Expertin weiter (Andrea Röpke)
Vereine kann man verbieten, Eltern nicht
Ein längst überfälliges Verbot
"Kampf geht weiter" (Tino Müller)
Körting: Rechte Szene geschwächt [03.04.09]
Extreme ködern mit Musik und Sport die Jugend (sächsischer Verfassungsschutz: Auch nach dem Verbot) [06.04.09]
Braune Rattenfänger bleiben in Sachsen ein Problem
Masken mindern nicht die Gefahr (Gespräch mit Dr. Andreas Bernig, Sprecher des Bündnisses »Für ein Tolerantes Brandenburg und gegen Rechtsextremismus«)
Neonazis in der dritten Generation (die organisierte Neonazi-Szene hatte viel Zeit, sich auf die jetzige Situation vorzubereiten) [08.04.09]
Ministerium: Rechtsextremisten durch Finanzkrise und Verbot kaum geschwächt (Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erben) [11.04.09]
Erben für Verbot der NPD * [14.04.09]
Anfrage zu HDJ-Razzien: Konnten die Neonazis Vereinsgelder verstecken? (Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke (16/12794)) [05.05.09]
Regierung: HDJ-Verbotsverfahren läuft noch! (leine Anfrage der Fraktion Die Linke (16/12794): Rechtsmittel eingelegt) [16.06.09]


Zum Thema:

Gemeinnützige Volksverhetzung (Rechtsextreme Vereine zu verbieten, dafür gibt es hohe Hürden. Seit Anfang des Jahres ist es immerhin leichter, dafür zu sorgen, dass sie nicht auch noch steuerlich begünstigt werden) * [01.04.09]

Monday, February 04, 2008

Nazischulung

Andrea Röpke hat ein neues Buch über die »Heimattreue Deutsche Jugend«, die Nachfolgerin der Wiking-Jugend, herausgegeben
Die Buchautorin und Journalistin Andrea Röpke hat eine fundierte Recherchearbeit unter dem Titel »Ferien im Führerbunker. Die neonazistische Kindererziehung der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ)« als 128seitiges Buch vorgelegt. Die HDJ wurde offiziell im Oktober 2000 unter dem Name »Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.« als Verein in Berlin gegründet und tritt in in die Fußstapfen der einstigen Wiking-Jugend ...lesen

Saturday, August 09, 2008

Polizei löst Zeltlager der HDJ auf

Die Proteste von Anwohnern zeigen Wirkung: Die Polizei hat ein Ferienlager des rechtsextremen Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) aufgelöst. In dem Camp fanden die Beamten zahlreiche Utensilien mit Hakenkreuz-Symbolen.

Das Lager befand sich in der Nähe der Gemeinde Hohen Sprenz im Kreis Güstrow. Wie die Polizei mitteilte, war das auf einem Privatgelände errichtete Camp mit 14 Zelten bereits am Mittwoch nach Hinweisen aus der Bevölkerung ermittelt worden. Das Amtsgericht Güstrow hatte daraufhin am Donnerstag einen Durchsuchungsbeschluss und der Landkreis Güstrow am Freitag eine Anordnung zum sofortigen Vollzug erlassen. ...lesen

Siehe auch:

Polizei räumt Ferienlager der HDJ
Zeltlager der HDJ (Heimattreuen Deutschen Jugend e.V.) von Polizei durchsucht und nach Ordnungsverfügung des Landkreises aufgelöst
MVP: Polizei löst HDJ-Zeltlager auf [10.08.08]
Nazi-Sommercamp in Mecklenburg-Vorpommern aufgelöst
Rechtes Camp aufgelöst [11.08.08]
Geschirrtücher mit Hakenkreuzen
Hakenkreuze in der Waldidylle
Polizei löst Jugendlager auf - Hakenkreuze entdeckt
Polizei löst Nazi-Jugendlager auf
Polizei räumt rechtsextremes Jugendcamp nahe Rostock
Nach Camp-Auflösung: Verbot des Vereins HDJ gefordert
Polizei sprengt rechtes Zeltlager für Kinder [12.08.08]
Die braunen Kinderfänger
Altes Gedankengut für die Jugend (Sebastian Räbiger) [14.08.08]
Auf den Spuren der HDJ… (Extra3 über Frank Klawitter und die Verbindungen zur NPD, Michael Grewe, Tino Müller) [21.08.08]
Heftige Kritik an Staatsanwalt (Hövelmann empört - Ermittlungen gegen rechtsextreme Gruppe eingestellt) [23.08.08]
Ermittlungen wegen HDJ-Lager eingestellt
HDJ-Treiben auf Privatgelände (Entgegen anderslautenden Presseberichten, sind die Ermittlungen zu dem HDJ-Lager nicht abgeschlossen. Der Verantwortliche für das Zeltlager Martin Götze war an einer weiteren Veranstaltung am 24. August in Weidenthal in Rheinland-Pfalz beteiligt) [25.08.08]
Hakenkreuze Privatsache? [26.08.08]
Keine Instrumentalisierung von Kindern bei der HDJ? (In der NPD-Zeitung “Deutsche Stimme” thematisiert Andreas Molau die Ermittlungen gegen die HDJ) [02.09.08]
MVP: Bußgeldverfahren gegen die HDJ [16.10.08]
Nazi-Lager: HDJ muss Strafe zahlen

Verwandte Themen:

Nach CH-Verbot: Politik nimmt HDJ ins Visier
Wie Rechtsextreme in Ostdeutschland Jugendliche ködern (Verfassungsfeinde täuschen soziales Engagement vor) [24.10.08]
Kampf gegen rechts - Aufgabe der Sozialarbeit?

Friday, January 25, 2008

Trotz Verbots: HdJ wirbt mit Kindern in Uniformen

Mit einem neuen Werbefilm im Internet versucht die neonazistische “Heimattreue Deutsche Jugend” Kinder und Jugendliche für ihre Zeltlager anzulocken. Laut einem Bericht von blick nach rechts werden in einem Film, der auch bei YouTube verbreitet wird - trotz des 2007 erlassenen Uniformverbotes des Bundesinnenministeriums - Kinder und Jugendliche in voller Vereinsmontur gezeigt. Die Aufnahmen entstanden demnach beim Winterlager der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) 2006/2007 auf der Burg Hohenberg nahe Wunsiedel, die dem Freistaat Bayern gehört - ohne Drehgenehmigung. Auch in einem neuen Kalender “Unser Leben 2008″ wirbt die Neonazi-Organisation ungeniert mit Hochglanzfotos von Kindern in Uniformen. Darin betont die HdJ die Ideale “soldatischer Erziehung”. Das diesjährige Winterlager der HdJ fand mit 114 Kindern, Jugendlichen und Betreuern in einem Turner- und Jugendheim in St. Goarshausen in Rheinland-Pfalz statt. Auch hier habe die Herbergsbetreiber ein “militärisches Auftreten” in HDJ-Kleidung bestätigt, so der bnr. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz liegen dagegen “keine Hinweise” vor, dass ein Winterlager überhaupt stattgefunden hat.

Quelle
NPD-Blog [25.01.08]

Siehe auch:

„Disziplin und Gehorsam“ [25.01.08]
Verbot für die Katz? [06.02.08]
Berlin: HDJ-Werbefilm offenbar nicht strafbar (Einschätzung der Staatsanwaltschaft Berlin) [08.08.08]

Monday, November 24, 2008

Funktionäre der HDJ vor Gericht

Der Bundesführer des rechtsextremistischen Vereins „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ), Sebastian Räbiger aus dem brandenburgischen Reichenwalde, ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Es soll die Journalisten Andrea Röpke, wie mehrfach berichtet, vor zwei Jahren in Blankenfelde (Teltow-Fläming) attackiert und verletzt haben ...lesen

Siehe auch:

Funktionäre der »Heimattreuen Deutschen Jugend« vor Gericht [10.12.08]
Angriff auf Journalistin vor Gericht (
Amtsgericht Zossen) [11.12.08]
Angriff auf Journalistin: HDJ-Funktionär vor Gericht
Mutmaßlicher Neonazi zu Geldstrafe verurteilt [12.12.08]
HDJ-Führer wegen Schlägen verurteilt
Angriff auf Journalistin: HDJ-Führer Räbiger zu Geldstrafe verurteilt [13.12.08]
Geldstrafe für Rechtsextremisten nach Attacke auf Journalistin
Wer war der zweite Mann?
Geldstrafe wegen Angriffs auf Journalistin
Vorbestrafter Neonazi
»Nicht politisch motiviert«? [15.12.08]

Monday, November 26, 2007

Kandidatenkür

Im niedersächsischen Wahlkampf muss sich die NPD auf politisch unberechenbare Neonazis mit unrühmlichem Vorleben verlassen.

Das Wochenende Mitte November stand für die niedersächsische NPD und die Freien Nationalisten ganz im Zeichen der kommenden Landtagswahl im Januar 2008. Am Samstag, den 17. hielten ab 9.00 Uhr rund 100 Neonazis eine Kundgebung in Georgsmarienhütte bei Osnabrück ab. Dort möchte Jörg Fischer aus Vechta als Direktkandidat antreten, gegen ihn läuft nach mehreren Hausdurchsuchungen ein Verfahren wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe. Gemeinsam mit seinem Kameraden Christian von Velsen organisierte Fischer auch die anschließend stattfindende zweite Kundgebung in seinem Wohnort Vechta. Fischer und von Velsen sind beide in der für die Kinder- und Jugenderziehung im braunen Lager zuständige „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) aktiv.

An diesem Samstag läuteten die Glocken von St. Georg in der Vechtaraner Innenstadt zur vollen Stunde besonders lange. Von bürgerlichem Protest war nichts zu sehen, aber junge Gegendemonstranten klapperten gleich neben der NPD-Kundgebung mit den Deckeln von Mülltonnen. An den Polizeisperren machten an die 300 Nazigegner mit lauter Stimme und Musikinstrumenten zudem großen Lärm. Eine Geräuschkulisse, die die Neonazis auf dem Europaplatz sichtlich nervte, denn trotz Lautsprecheranlage gingen die Redebeiträge von Christian von Velsen, Dennis Bührig aus Celle, Christian Worch, Thomas Wulff und Marcus Winter aus dem Weserbergland unter. Andreas Molau ließ sich entschuldigen, in Georgsmarienhütte wurde seine Botschaft an die Kameraden vom Band abgespielt. Der NPD-Direktkandidat für Vechta, Markus Pohl, fehlte ebenfalls. Pohl, kaufmännischer Angestellter mit Hooligan-Background, stammt ursprünglich aus Lengerich in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder setzte sich Pohl für den Aufbau der Neonazi-Strukturen in Münster, Steinfurt, Osnabrück und Vechta ein – immer in Kooperation zwischen Kameradschaften und Partei. Auf der Homepage der NPD-Niedersachsen wird stolz verkündet, dass die Unterstützerunterschriften für den Wahlkreis Vechta bereits zusammengekommen seien.

In der Lüneburger Heide dagegen wird noch eifrig gesammelt. Direktkandidat für den Wahlkeis Soltau-Fallingbostel will der Anführer der Kameradschaft „Snevern Jungs“, Matthias Behrens aus Schneverdingen werden. Angeblich will auch Stefan Klingbeils kandidieren. Unterstützung bekamen die Freien Nationalisten vom NPD-Strategen Peter Marx und dem Leiter des Bundesordnungsdienstes Manfred Börm aus Lüneburg.

„Keks für das Deutsche Reich“

Nachhilfe für die potenziellen Wahlkreis-Kandidaten scheint bitter nötig. Viele der heute bemüht bieder auftretenden Neu-NPDler tummelten sich vor kurzem noch auf Kameradschaftsabenden oder Skinhead-Partys. Ihre parteipolitische Erfahrung ist begrenzt, der bürgerliche Auftritt in der Öffentlichkeit ungewohnt. Ausgerechnet in NPD-Zielgebieten, wirtschaftlich schwächere Regionen wie an der Nordsee zwischen Wilhelmshaven und Wittmund, muss sich die Parteiführung auf Neonazis mit unrühmlichem Vorleben und politischer Unberechenbarkeit verlassen.

Gegen den neuen NPD-Chef in Wilhelmshaven, Nico Ahlrichs, wurde bereits mehrfach polizeilich ermittelt. Ahlrichs war wie Manuel Wojtczak in der „Freien Jugend Ostfriesland“, später „AG Wiking“, aktiv. Beide nahmen an einer Maibaum-Feier in Carolinensiel vor zwei Jahren teil. Nachdem der Maibaum in Form einer Lebensrune errichtet worden war, verlief die Party mit „Sieg Heil“-Gegröle und Neonazi-Musik. Auf Filmmaterial ist zu sehen, wie Ahlrichs in die Kamera schreit: „Ich esse diesen Keks für das Deutsche Reich!“, Wojtczak sogar beim Pogo-Tanz den Arm zum Hitlergruß erhebt. Der Freie Nationalist und Anführer der Kameradschaft AG Wiking will für den Wahlkreis Wittmund kandidieren. Der 1981 in Gardelegen geborene Wojtczak ist nach Recherchen von Stop-Rechts in Wilhelmshaven mehrfach verurteilt, unter anderem wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch sowie wegen versuchter vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung – ausgesetzt zur Bewährung.

Gewalttaten von rechts gehen im Nordwesten unter, dort gibt es weder Opferberatungsstellen noch mobile Einsatzteams. In Oldenburg läuft ein Prozess gegen einen 19-jährigen Neonazi aus Westerstede. Der Angeklagte schlug nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mehrfach ältere Migranten auf der Straße, einem 15-Jährigen, der zur Hilfe kam, rammte er ein Springmesser in den Bauch. Während der Attacke beleidigte der Neonazi sein Opfer noch mit ausländerfeindlichen Parolen.

Den für die NPD interessanten Raum Cuxhaven decken erfahrene NPD-Wahlkämpfer wie Adolf Dammann und Fritz-Ulrich Bundt aus Stade mit ab. Der 1953 geborene Bundt, der auf Platz 10 der Landesliste kandidiert, blickt auf eine militante politische Vergangenheit zurück. Er war an mehreren Übergriffen beteiligt, pflegte nach Recherchen des Buchautors Jürgen Pomorin Kontakte zu Schlägerbanden, fuhr mit seinem Auto in eine Menschenmenge. Aus beruflichen Gründen bewegt sich der niedersächsische NPD-Schatzmeister als wichtiger Drahtzieher im Hintergrund, denn Bundt ist wie Dammann gelernter Bankkaufmann. Überhaupt versuchen viele der NPD-Kandidaten in Kleingewerbe und Mittelstand Fuß zu fassen. Es sind Bauunternehmer, Unternehmens- und Finanzberater, Antiquitätenhändler, Handwerker, Bäcker und ein Landwirt darunter. Ralf Tarnozek, der im Wahlkreis Bramsche bei Osnabrück kandidieren will, betreibt einen Armee- und Gotchashop.

Einen Hang zu Waffen haben auch die NPD-Wahlkämpfer Marc Reuter aus Bremervörde und Roman Greifenstein aus Munster bewiesen. NPD-Stadtrat Reuter gehörte zu den norddeutschen Führern des militanten „Stahlhelm-Kampfbund für Europa“, bei dessen Anhängern in der Pfalz Ende der 90er Jahre schwere Waffen gefunden wurden. Greifenstein saß Ende der 90er Jahre eine Haftstrafe wegen Gewaltdelikten ab, zuvor war er bereits mit Waffen aufgefallen. Greifenstein, der die „Freien Kräfte Munster“ im Internet mit der Reichsfahne in der Hand repräsentiert, will als Direktkandidat der NPD für den Wahlkreis Lüneburg antreten.

Hauptansprechpartner vonseiten der Freien Nationalisten ist für NPD-Spitzenkandidat Andreas Molau ein kleiner rothaariger Mann mit Nickelbrille: Dieter Riefling aus Hildesheim. Der überzeugte Anhänger des „Deutschen Reiches“ wirkt seit über 20 Jahren in der radikalen braunen Szene. Er war in der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (1995 verboten) und dem Blood&Honour-Netzwerk“ (verboten 2000) aktiv, führte die Kameradschaft Recklinghausen, sang in einer Skin-Band. Einem zivilen Polizisten zertrümmerte Riefling das Nasenbein. Seine Bewährung für Straftaten reichte bis Oktober 2004. Von Hildesheim aus steuert Riefling die Vernetzung der Freien Kräfte in Niedersachsen, bildet so genannte „Bürgerinitiativen für Zivilcourage“ und tritt als Direktkandidat für den Wahlkreis Hildesheim an.

„Ein Mann, der mit den Bürgern sprechen kann“

Ebenso rührig geht es zur Zeit in den Landkreisen Goslar und Osterode zu. Seitdem sich immer mehr Neonazis in Bad Lauterberg ansiedelten und dort auf alteingesessene bürgerliche NPD-Strukturen zurückgreifen können, wächst die rechte Szene dort mit einem hohen Maß an Selbstbewusstsein. Der ehemalige Skinhead Michael Hahn, der nach Verfassungsschutzangaben in der Vergangenheit auch an Schlägereien in Berlin beteiligt war, sitzt heute im Stadtrat von Bad Lauterberg. Allein vier Neonazis aus dem Ort sind auf der Landesliste der NPD vertreten, neben Hahn noch die Liedermacher Annett und Michael Müller, sowie der wegen Volksverhetzung verurteilte Carsten Steckel. In der Region gab es Übergriffe mit Verletzten, konspirative Veranstaltungen in einer Stammkneipe, eine Attacke auf einen aussteigewilligen Jugendlichen und jüngst ein gemeinsames Heldengedenken mit den Kameradschaften Northeim und Eichsfeld im Siebertal. In Harzvororten wie Vienenburg und Salzgitter bemühen sich NPDler und Kameradschaftsaktivisten, neue Strukturen aufzubauen.

Ruhig und ungestört lebt es sich in Groß Denkte, dem Wohnort des NPD-Spitzenkandidaten Andreas Molau im Landkreis Wolfenbüttel. Das Namensschild an dem unscheinbaren Einfamilienhaus ist Handarbeit aus Naturholz. Molau, schwärmt NPD-Bundesvorsitzender Udo Voigt, sei „ein Mann, der mit den Bürgern sprechen kann“. Ob der das in seiner Heimatgemeinde macht, bleibt fraglich. Dort scheint sich der NPD-Mann kaum einzubringen. Nur einer der Anwohner, direkt nebenan, kennt ihn: „Ein sehr netter Herr. Die NPD ist ja nicht verboten.“ Im Vereinsleben, weiß der stellvertretende Bürgermeister Jan-Christian Müller (Grüne), taucht „Herr Molau“ nicht auf.

Friday, January 04, 2008

NPD startet "heiße Phase" in Bad Pyrmont

Am 6. Januar 2008 will sich die NPD in Bad Pyrmont (zwischen Hannover und Bielefeld) mit einer internen Wahlkampfveranstaltung auf die "heiße Phase" des laufenden Landtagswahlkampfes
einstimmen. Ihr Ziel ist der Einzug in den niedersächsischen Landtag am 27. Januar.
Dazu hat sie eine 20 Kandidaten umfassende Landesliste aufgestellt. Außerdem konnte die NPD in knapp der Hälfte der Wahlkreise genug UnterstützerInnenunterschriften für den Antritt mit Direktkandidaten sammeln. ...lesen

Siehe auch:

NPD aus Pyrmont und Hameln vertrieben [06.01.08]
DGB protestiert [07.01.08]
Nationaler Planungsfehler (Patrick Kallweit)

Wahlkampf im „NPD-Heim“

Mit einer „PR-Aktion“ wollten Rechtsextremisten den „Medienboykott“ unterlaufen. Veranstaltungsort war ein stark heruntergekommenes Fachwerkhaus.

Die vollmundig angekündigte Veranstaltung am 6. Januar 2008 sollte die „heiße Wahlkampfphase“ im niedersächsischen Wahlkampf einläuten. Bisher war der Wahlkampf der Neonazis eher flau angelaufen, kaum Infostände, wenig Plakate in den Straßen. Mit der Vorführung einer DVD mit dem Titel „offensiv“ wollten Parteistrategen nun ein „neues Kapitel in der Wahlkampfführung“ aufschlagen, außerdem sollten alle 42 Direktkandidaten der Presse vorgestellt werden. Eigens dafür waren der Bundesvorsitzende Udo Voigt, Stefan Köster, NPD-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, Bundesvorstandsmitglied Jörg Hähnel und der Hamburger Christian Worch nach Niedersachsen gereist.

„Aus Sicherheitsgründen“ wurden akkreditierte Medienvertreter gewohnt konspirativ für Sonntagmittag zum Bahnhof in die Kurstadt Bad Pyrmont bestellt. Dort fand bereits eine Gegendemonstration des „Bündnis gegen Rechts“ und des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit rund 300 Teilnehmern statt. Die NPD ließ auf sich warten. Inzwischen war durchgesickert, dass sich rund 20 Neonazi-Aktivisten auf dem Hof des Gebäudekomplexes von Jürgen Rieger im nahen Hameln versammelt hatten. Tage zuvor waren Handwerksarbeiten an dem als baufällig eingestuften ehemaligen Kinocenter durchgeführt worden. Polizei und Stadt Hameln ließen sich jedoch von den angetretenen NPD-Leuten nicht irritieren und sprachen erneut ein Nutzungsverbot wegen baurechtlicher Mängel aus. Das Gebäude verfüge dementsprechend nicht über die nötigen Sicherheits- und Brandschutzvorrichtungen, ließ die Stadtverwaltung verlauten. Beamte setzten Platzverweise gegen die Neonazis durch.

Rieger hatte den Gebäudekomplex 1999 erworben. Unter anderem weil die Decke im Kinosaal einzustürzen drohte, sprach die Stadt Hameln ein Nutzungsverbot aus. Zu der Immobilie in der Deisterstraße gehören acht Wohnungen und fünf kleine Ladengeschäfte. Am Sonntag zeigten sich einige der glatzköpfigen Mieter mit ihren Familien. Sie beschimpften Gegendemonstranten, die von Bad Pyrmont nach Hameln gewechselt waren. Als Hausmeister soll in den letzten Monaten Michael Homeister aufgetreten sein. Der als gewaltbereit geltende Neonazi war bereits als Söldner in Kroatien aktiv. Die meisten Ladengeschäfte in dem Komplex sind leer, in einem Laden werden gebrauchte Artikel angeboten. Rieger versuchte die Immobilie zunächst über ebay für 2,5 Millionen Euro zu verkaufen. Inzwischen scheint er seine Meinung geändert zu haben, auf jeden Fall steckte er eine Menge Geld in Sanierungsarbeiten am Gebäude.

Für die geschlossene NPD-Veranstaltung mit rund 100 geplanten Teilnehmern reichten die Handwerksarbeiten jedoch nicht aus. Missmutig disponierte die Partei um und Pressesprecher Patrick Kallweit informierte die Medienvertreter am Sonntagmittag kleinlaut, es gehe jetzt in den etwa 100 Kilometer entfernten „Raum Osnabrück“. Von den Fernsehteams, Zeitungsvertretern und Radiojournalisten spielte aber keiner mehr mit. Dabei wollte die NPD gerade mit dieser PR-Aktion und der neuen DVD, die in 20 000 Stück Auflage verteilt werden soll, den „Medienboykott“ unterlaufen. Bundeschef Udo Voigt hatte angekündigt: „Wenn unsere Partei von den Fernsehanstalten nicht erwähnt wird, nehmen wir den direkten Weg zu den Fernsehapparaten der Menschen“.

Die einschlägige Filmvorführung fand schließlich im so genannten „NPD-Heim“ in Georgsmarienhütte bei Osnabrück in vertrauter Runde statt. Das heruntergekommene Fachwerkhaus in einer Villengegend im Ortsteil Harderberg hätte auch kaum als Repräsentationsobjekt gedient. Zerschlagene Fensterscheiben, notdürftig mit Holzlatten abgedichet und überall blätterte der Putz von den Wänden. Die Hausruine gehörte dem kürzlich verstorbenen „Urgestein der volkstreuen Bewegung“ Franz-Josef Möllenkamp. Anwohner hatten bereits die Hoffnung gehegt, dass mit seinem Tod auch der braune Spuk ein Ende fände. Denn immer wieder finden dort Neonazi-Veranstaltungen statt. Im Sommer hatte die „Heimattreue Deutsche Jugend“ dort ein Ausweichquartier für ihre Sonnenwendfeier gefunden. Bereits zwei Tage vorher, am Freitag, tagten dort NPDler um Voigt und Köster zu Vorgesprächen und nettem Beisammensein mit regionalen NPD-Kandidaten.

Vor dem Haus patroullierten Mitglieder von Manfred Börms Ordnungsdienst, sie trugen Handschuhe und schützten das Gebäude vor allzu neugierigen Blicken. Ihr Verhalten lud die wenigen nachgereisten Journalisten nicht zum Eintreten ein. Vor dem Haus parkte der VW-Pritschenwagen eines Lüneburger Stukkateurbetriebes mit stapelweise Plakatträgern auf der Ladefläche. Nach der Filmvorführung und den Reden von Voigt und Andreas Molau stellten sich die Kandidaten an, um ihr Werbematerial ausgehändigt zu bekommen. Auf die Frage, ob die Veranstaltung nicht dilettantisch organisiert, beziehungsweise das Ganze peinlich für die NPD sei, antwortete Spitzenkandidat Andreas Molau, in schwarzem Anzug mit knallroter Krawatte, leicht verlegen: „Für Sie vielleicht. Wir haben die Veranstaltung ja durchgezogen.“ Bezüglich ihres Planes, trotz Nutzungsverbotes in Hameln tagen zu wollen, wiegelte Molau ab: „Wir hatten andere Informationen.“ Auch der Auftritt von Graf Friedrich-Werner von der Schulenburg nebst Gattin in Georgsmarienhütte passte nicht so ganz ins inszenierte Bild. Von dem Hamelner Juwelier, und weitläufigem Verwandten eines 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer, distanziert sich mittlerweile die adelige Verwandtschaft, weil er „für eine so grauenhafte Partei kandidiert“.

Thursday, October 18, 2007

Rechte Propaganda vor Wriezener Oberschule

Witze über Ausländer, auflehnende Texte gegen den Überwachungs-Staat, Berichte über die "guten Taten" der NPD und vieles mehr fanden einige Schüler der Wriezener Oberschule ("Salvador Allende-Schule) am 12.10.2007 in ihren Händen wieder. Vor dem Schulhof verteilten Neonazis die "Brennessel", eine Art Schülerzeitung, produziert von der NPD, die vorwiegend an Oberschulen verteilt wird, was nun auch erstmals in der Bad Freienwalder Umgebung Fall wurde.
Mit der "Brennessel" versucht die NPD vorwiegend jugendlichen Nachwuchs zu werben und für sich zu gewinnen. Es ist zu erkennen, dass sich jemand große Mühe damit gegeben hat die "Zeitung" so ansprechend wie möglich auf die Zielpersonen wirken zu lassen. Wobei Komponenten wie Bildqualität, Formatierung und Rechtschreibung reichlich wenig Beachtung gefunden haben, die der Themenaufarbeitung und -formulierung jedoch umso mehr. Indirekt, in Artikeln über Popstars, in Witzen und anderen Texten, werden die LeserInnen immer wieder darauf getrimmt, dass es viel zu viele AusländerInnen in Deutschland gäbe. "Ausländer sind Schuld an Bauschäden! Ausländer sind die wahren Terrosisten (die das schöne Deutschland vernichten wollen)! Ausländer sind die Störenfride der Rütli-Schule! Ausländer sind die einzigen Kriminellen in Deutschland!" und immer so weiter heißt es in den Texten. Ein weiteres Thema, welches immer wieder unter verschiedenen Gesichtspunkten angesprochen wird, ist die rechte Ideologie und die NPD an sich. So wird von "guten Taten" der NPD berichtet, wie beispielsweise von Familienfesten, Suppenküchen für Bedürftige, Kinderfesten und so vielen anderen Dingen, die, angeblich, doch nur eins erreichen wollen: das Lösen der wahren Probleme der deutschen Bevölkerung. Das dies alles nur Mittel zum Zweck sind, nämlich dem Zweck in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wird verschwiegen. So dient auch die "Brennessel" keinem anderen Zweck. Um noch mehr Interesse zu wecken befindet darin auch Werbung für den DS-Versand, für die "heimattreue Jugend" und für die NPD Schulhof-CD, welche mensch sich "kostenlos und legal runterladen" kann.
Ob es den Neonazis gelungen ist das Interesse zu wecken kann mensch natürlich nicht in allen Fällen wissen, aber leider sollte wohl erst einmal davon ausgegangen werden. Fakt ist dennoch, dass die NPD an der Wriezener "Salvador Allende-Schule" weder auf Akzeptanz, noch auf Gleichgültigkeit des Direktoriums stieß. Denn sobald dieses benachrichtigt war verständigte der Schulleiter die Polizei, welche die Aktion dann beendete. Ob diese Aktion Folgen haben wird ist momentan noch nicht einschätzbar und so heißt es jetzt wohl die Entwicklungen abzuwarten, zu beobachten und einzugreifen!


Quelle
Antifa Bad Freienwalde [17.10.007]

Siehe auch:

NPD verteilte Schülerzeitungen [18.10.07]